Sonntag , 7. April 2019
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Reich werden mit Aktien-Geheimtipps – was ist davon zu halten?

Börse: Aktien-GeheimtippsTäglich werden Analystenmeinungen veröffentlicht, die zum Beispiel zu einer bestimmten Aktie eine Aussage treffen, ob sie die Wertpapiere zum Kauf, zum Verkauf oder zum Halten empfehlen. Deutlich davon abzugrenzen sind allerdings sogenannte Aktien-Geheimtipps, die insbesondere in den sozialen Medien verstärkt angepriesen werden. Nicht wenige Anleger erhoffen sich von diesem Geheimtipps das schnelle Geld oder sogar, in kurzer Zeit mit etwas Glück reich zu werden. Doch funktionieren solche Tipps wirklich und was ist von Aktien-Geheimtipps im Allgemeinen zu halten?

Analystenmeinungen fundieren auf Analysen und objektiven Einschätzungen

Bevor wir näher auf Aktien-Geheimtipps eingehen, möchten wir noch einmal kurz erläutern, was demgegenüber Analystenmeinungen und seriöse Empfehlungen für Aktien beinhalten. Von Analystenmeinungen wird dann gesprochen, wenn beispielsweise die Analysten großer Banken ihre Einschätzung äußern, wie sich ein Aktienkurs zukünftig entwickeln könnte. Daher werden meistens Kursziele ausgegeben, die auf Daten aus der Fundamental- und Chartanalyse basieren.

Der wichtigste Punkt ist: Solche Analystenmeinungen sind in aller Regel neutral, objektiv und basieren auf fundamental nachvollziehbaren Daten und Fakten. Der Analysten selbst hat normalerweise keinen monetären Vorteil davon, ob er eine Aktie empfiehlt oder nicht. In den meisten Fällen würde es sich dann nämlich um sogenannte Insidern-Tipps handeln, die unter bestimmten Voraussetzungen nicht legal sind. Für gewöhnlich werden bei den Analysteneinschätzungen bezüglich einer bestimmten Aktie die folgenden Empfehlungen gegeben:

  • Kaufen
  • Halten
  • Verkaufen

Was bei veröffentlichten Analystenempfehlungen seriöser Natur nie passiert: Es wird nicht mit überproportional hohen Gewinnen in kurzer Zeit argumentiert, wie zum Beispiel: „Aktie wird in den nächsten vier Wochen um 200 Prozent steigen.“

Wann spricht man von Geheimtipps?

Deutlich abzugrenzen sind die zuvor beschriebenen Analystenmeinungen und die Empfehlungen seriöser Experten von den sogenannten Geheimtipps. Diese gibt es im Aktienbereich schon seit mehreren Jahrzehnten, allerdings hat die Verbreitung insbesondere aufgrund der sozialen Medien in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass über Facebook und Co. mit wenig oder ohne Entgelt die Möglichkeit besteht, derartige Aktien-Geheimtipps schnell und an viele Empfänger zu verbreiten. Eine einheitliche Definition solcher Geheimtipps gibt es zwar nicht, aber die Struktur und Vorgehensweise ist meistens sehr ähnlich oder sogar identisch. Kennzeichnend für derartige Geheimtipps ist unter anderem, dass der Herausgeber des Geheimtipps in aller Regel eine völlig unbekannte Person ist, was einfach an der Tatsache liegt, dass derartige Tipps, wie Aktien-Geheimtipps normalerweise definiert werden, nicht von seriös arbeitenden Banken und Analysten gegeben werden.

Was ist das Ziel der Aktien-Geheimtipps?

Die in diesem Beitrag beschriebenen Aktien-Geheimtipps definieren wir als Tipps, die man leider nicht als seriös bezeichnen kann. Das Ziel solcher angeblich geheimen Tipps, was übrigens bereits ein Widerspruch in sich ist, denn die empfohlenen Aktien sollen bewusst möglichst vielen interessierten Käufern zugänglich gemacht werden, besteht ausschließlich darin, dass der Tippgeber daran verdient. Dies funktioniert in Form des folgenden Schemas:

  1.  Tippgeber kauft zu empfehlende Aktien
  2.  Geheimtipp wird möglichst schnell und in großem Umfang verbreitet
  3.  Optimalerweise kaufen möglichst viele Anleger die Aktie
  4.  Aktienkurs steigt (zum Teil deutlich)
  5.  Tippgeber verkauft Aktien zu höherem Kurs mit Gewinn

Wie an diesem Ablauf deutlich zu erkennen ist, verfolgen die (unseriösen) Tippgeber mit Aktien-Geheimtipps nur das Ziel, durch bewusstes und fast immer übertrieben positives Marketing viele Anleger dazu zu bewegen, die Aktie zu kaufen. Geheim ist der Tipp ohnehin nicht, ganz im Gegenteil. Durch die erhöhte Nachfrage gegenüber einem gleichbleibenden Angebot steigen zwangsläufig die Kurse und der Tippgeber verkauft dann seine Aktienposition mit zum Teil hohen Gewinnen. Anschließend fallen die Kurse allerdings fast immer wieder deutlich, sodass es neben dem Tippgeber selbst nur wenige Aktionäre gibt, die ebenfalls bei rechtzeitigem Verkauf vor dem Kurssturz einen Gewinn realisieren können.

Sind Aktien-Geheimtipps eigentlich legal?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig und schon gar nicht einfach beantworten. Zunächst einmal ist es jedem Menschen im Internet freigestellt, seine Meinung zu Finanzthemen zu äußern. Dazu gehört natürlich auch, dass Aktien empfohlen werden dürfen. Aus diesem Grund ist die reine Verbreitung einer Kaufempfehlung für eine bestimmte Aktie definitiv nicht als illegal zu bezeichnen. Anders sieht es jedoch aus, wenn bewusst falsche Tatsachen zu der Aktie veröffentlicht werden oder bewusst eine bestimmte Meinung verbreitet wird, die nachweisbar auf erfundenen oder falschen Fakten beruht. Für den Anleger ist allerdings im Grunde nicht ausschlaggebend, ob der jeweilige Geheimtipp legal ist oder nicht, sondern generell sollten Sie sich von diesen mindestens äußerst fragwürdigen Tipps fernhalten. Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, erleiden die weitaus meisten Anleger nämlich nach dem Kauf des angeblichen Geheimtipps eher Verluste, als einen Gewinn zu realisieren.

Wie erkenne ich einen Geheimtipp am besten?

Nicht jeder der Aktiengeheimtipps wird auch als solche deklariert, sodass es für Anleger nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, dass es sich um einen eher unseriösen Tipp handelt. Trotzdem gibt es durchaus Anzeichen, die beim jeweiligen Tipp dafür sprechen, dass es sich keinesfalls um eine seriöse Analystenmeinung handelt, sondern stattdessen vielmehr um einen Tippgeber, der ausschließlich den eigenen Geldbeutel im Blick hat.

So können Sie vermeintliche Aktien-Geheimtipps unter Umständen an einem der folgenden Merkmale erkennen, auch wenn dies nicht auf alle Tipps anzuwenden ist:

  •  Privatperson als Tippgeber
  •  Schlagartige Verbreitung in den sozialen Medien
  •  Aktie meistens kleiner Nebenwert oder vollkommen unbekanntes Wertpapier
  •  Kaum nachweisbare Story zur Aktie
  •  Hohe Gewinnversprechungen in kurzer Zeit
  •  Zeitdruck beim Anleger wird erzeugt

Ein wichtiger Faktor ist der zuletzt aufgeführte Stichpunkt, nämlich das Erzeugen von Zeitdruck. Dies geschieht, indem der Tippgeber zum Beispiel vorgibt, dass man unbedingt schnell einsteigen müsse, denn schon in wenigen Tagen könnte die Kursexplosion stattfinden. Ebenfalls wird häufiger so „argumentiert“, dass nur eine begrenzte Anzahl von Aktien zum Kauf zur Verfügung stehen würde. Das entspricht sogar häufiger der Wahrheit, denn oft sind Geheimtipps kleine Nebenwerte mit geringer Marktkapitalisierung. Wenn man also als Anleger zu lange zögert, würde man den Sprung auf den Zug verpassen und vielleicht keine guten Gewinne mehr erzielen können.

Fazit: Geheimtipps mit größter Vorsicht genießen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der weitaus größte Anteil aller sogenannten Aktien-Geheimtipps für den Anleger eher zu Verlusten als zu Gewinnen führen dürfte. Gewinner ist meistens nur einer, nämlich der Tippgeber selbst. Nicht zu verwechseln sind Aktien-Geheimtipps natürlich mit seriösen Analystenmeinungen, allerdings gibt es auch diverse unterschiedliche Eigenschaften, an denen Sie Analysteneinschätzungen und Geheimtipps voneinander abgrenzen können.

Über Oliver Schoch

Oliver Schoch
Oliver ist gelernter Bankkaufmann und war mehr als 10 Jahre in verschiedenen Banken und Bereichen tätig. Seit 2008 ist er freiberuflicher Finanz-Journalist und hat sich auf Themen wie Geldanlage, Finanzierungen, Börse, Versicherungen und Immobilien spezialisiert.

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